Giuseppe A. Raffaele | Portfolio M.Sc. Architecture · Engineering · Design
Architektur · Städtebau · Entwurf

Räume, Systeme und städtische Beziehungen entwerfen.

Ausgewählte architektonische und städtebauliche Arbeiten: zwei urbane Entwürfe und ein Hochbauprojekt. Im Mittelpunkt stehen Raumstruktur, Maßstab, öffentliche Räume, Atmosphäre und die Frage, wie Architektur Beziehungen zwischen Körper, Stadt und Landschaft ordnet.

01 · Städtebau

Kleinstadtperle — Kurleben Bad Soden.

Eine städtebauliche Masterarbeit für Bad Soden-Salmünster im Main-Kinzig-Kreis. Aus zwei getrennten Stadthälften wird eine regionale Perle — und aus einer Perle eine Kette von Perlen entlang des Kinzigtals. Drei Phasen, drei Maßstäbe, eine Toolbox aus übertragbaren Bausteinen.

Kleinstadtperle Bad Soden – Perspektive Plattform
Konzept

Aus zwei Hälften wird eine Perle.

Bad Soden und Salmünster sind 1974 administrativ zu einer Kleinstadt fusioniert worden — räumlich aber bis heute getrennt geblieben. Die Kinzig, die Bahnlinie und unbebaute Auenflächen liegen wie eine Lücke zwischen den beiden Kernen. Genau diese Lücke wird im Entwurf zur tragenden Idee: Die Schnittstelle zwischen Bad Soden und Salmünster wird zur Perle — zum Ort, an dem aus zwei Hälften ein Ganzes entsteht. Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels (Demografietyp 3: kleine Gemeinden mit moderater Schrumpfung) wird Bad Soden-Salmünster nicht als schrumpfende Gemeinde gelesen, sondern als Potenzialraum mit historischer Kurtradition.

Konzeptionelles Ziel — Perlenkette entlang des Kinzigtals
Konzept Schnittstelle — Bad Soden und Salmünster werden zur Perle
Phasierte Strategie

Drei Phasen, drei Maßstäbe.

Die Transformation läuft in drei Phasen ab — vom Allgemeinen ins Konkrete, vom Stadtteil bis ins Tal. Phase I baut die Grundinfrastruktur in allen Stadtteilen aus. Phase II verdichtet die Schnittstelle zwischen Bad Soden und Salmünster räumlich zur Perle. Phase III überträgt die Logik auf die Kleinstädte entlang des Kinzigtals — die Perle wird zur Perlenkette.

Phasierte Umsetzungsstrategie — Phase I, II, III
Phase I · Toolbox

Grün-Blau, Mobilität, Soziales.

Die erste Phase setzt auf drei Ebenen an: Grün-Blau strukturiert Vegetation, Wasser und Freiraum; Mobilität verlagert Verkehr, stärkt Fuß- und Radwege und etabliert P+R sowie ÖPNV on demand; Soziales aktiviert Leerstände, schafft Dritte Orte und stärkt informelle Treffpunkte. Die Toolbox bündelt all diese Bausteine in einem Rad mit über dreißig Maßnahmen — flexibel kombinierbar, übertragbar auf jeden Stadtteil. Ziel: die Infrastruktur aller Stadtteile auf ein Mindestmaß ausbauen.

Phase I — Grün-Blau, Mobilität, Soziales
Toolbox — über dreißig übertragbare Maßnahmen
Mobilität-, Grün-Blau- und Nutzungskonzept
Phase II · Die Plattform

Fünf Cluster, ein Ort des Zusammentreffens.

Im Zentrum der Schnittstelle entsteht die Plattform: ein neuer öffentlicher Ort, der fünf thematische Cluster räumlich bündelt — Tourismus, Naherholung, Wirtschaft, Kultur & Bildung und Fortbewegung. Schlüsselbausteine sind das Agri-Kultur-Zentrum, das Landwirtschaft, Bildung und öffentliches Leben verknüpft, sowie der Kleinstadt-Campus als Ort der Wissensproduktion und Begegnung. Drumherum: Indoor-Activity-Block, Sportwiese, Schrebergärten, Camping, Outdoor-Gym, Retentionsteich. Die Plattform ist nicht die Mitte einer schrumpfenden Stadt, sondern das neue Entrée Bad Soden-Salmünsters.

Axonometrie — Plattform mit den fünf Clustern
Grundriss Masterplan
Schnittstelle

Ein Ort zwischen Kurpark, Promenade und Alltag.

Die Plattform bildet die zentrale Schnittstelle zwischen Bad Soden und Salmünster. Sie liegt nicht nur räumlich zwischen den beiden Stadthälften, sondern funktioniert als Mittelpunkt der umliegenden Cluster: Wirtschaft, Tourismus, Naherholung, Kultur & Bildung und Fortbewegung werden hier miteinander verknüpft. Aus der bisherigen Lücke entsteht ein öffentlicher Übergangsraum, der Wege bündelt, Nutzungen überlagert und Begegnung ermöglicht. Das Agri-Kultur-Zentrum, mobile Angebote, Stadtmobiliar und die Promenade übersetzen diese Schnittstelle in konkrete Alltagssituationen.

Schnittstelle zwischen Bad Soden und Salmünster
Perspektive Kinder
Stadtmobiliar und Promenade
Phase III · Kinzigtal

Von der Perle zur Perlenkette.

Die letzte Phase verlässt den Maßstab der Kleinstadt und überträgt die Logik der Schnittstelle auf das Kinzigtal. Was in Bad Soden-Salmünster als Plattform zwischen zwei Stadthälften funktioniert, wird zur regionalen Strategie: Kleinstädte, Landschaftsräume, Bahnhöfe, Naherholungsorte und Versorgungsangebote werden als Perlen entlang des Tals miteinander verknüpft. Die Arbeit knüpft hier an das Projekt NaTourHuKi an — ein nachhaltiges Tourismus- und Naherholungskonzept für Hanau und den westlichen Main-Kinzig-Kreis. Aus der Pilotperle Bad Soden-Salmünster entsteht ein Modell für Zuzug, Synergien und eine Versorgung, die nicht mehr von einer einzelnen Kleinstadt allein getragen werden muss.

Phase III — Übertragung auf das Kinzigtal
Wohnraum

Nachverdichtung statt Flächenverbrauch.

Der erwartete Zuzug wird nicht als Ausdehnung an den Siedlungsrändern verstanden, sondern als Chance zur Aktivierung vorhandener Strukturen. In den dezentralen Stadtteilen können Bestandsgebäude umgenutzt, Erdgeschosse flexibilisiert und gemeinschaftliche Hofräume ergänzt werden. So entsteht neuer, bezahlbarer und demografiefester Wohnraum mitten in der Natur — ohne die landschaftliche Qualität der Kleinstadt aufzugeben.

Nachverdichtung Wohnraum
Typologie Städtebau · Masterplan · Toolbox
Fokus Schnittstelle · Phasierte Strategie · Kleinstadtperle
Auszeichnung Ausgezeichnet mit dem Fachbereichspreis für die beste Masterarbeit des Jahrgangs 2023/24
02 · Städtebau

Die Stadt atmet auf.

Ein städtebaulicher Entwurf für den Kant-Block in Darmstadt, inspiriert von Barcelonas Superilla. Asphalt wird zu Promenade, Innenhöfe öffnen sich als Wege, Mobilität bündelt sich an den Rändern. Über vier Phasen zwischen 2025 und 2040 entsteht ein grünes Geflecht, das das Quartier neu verknüpft – mit der Stadt, dem Park und der eigenen Geschichte.

Green Link Logo
Superilla Referenz
Typologie Städtebau · Superilla · Masterplan
Fokus Mobilität · Freiraum · Sharing
Kontext Darmstadt · Martinsviertel · 2025–2040
03 · Hochbau

Architektur am Übergang.

Ein Hospiz in Darmstadt, an der Schnittlinie zwischen Stadt und Park. Zwei ineinandergreifende Volumen legen sich um zwei Innenhöfe und vermitteln zwischen Bewegung und Ruhe, zwischen Leben und Abschied. Der Entwurf liest diese Schwelle als räumliche Übersetzung eines Kreislaufs – verankert in Holz, Licht und der Geste des Hauses zum Park.

Hospiz Darmstadt – Außenperspektive
Lageplan

Zwischen Stadt und Park.

Der Lageplan zeigt die präzise Einbettung des Hospizes in den Übergang zwischen dem gründerzeitlichen Stadtgefüge und dem Grünraum des Parks. Das Gebäude besetzt die Schnittstelle – mit dem Rücken zur Stadt, dem Gesicht zum Park.

Lageplan
Konzept

Zwei Höfe, zwei Zustände.

Das Gebäude organisiert sich um zwei Innenhöfe, die zwei unterschiedliche Atmosphären erzeugen: Der stadtseitige Hof ist offen, öffentlich zugänglich und beherbergt das Kunstcafé als Schwelle zwischen Hospiz und Stadt. Der parkseitige Hof ist stiller, geschützter – er gehört den Bewohnern und dem Blick in die Natur. Die beiden Volumen greifen ineinander und erzeugen so einen Weg, der durch das Haus führt: vom Ankommen bis zum Abschied.

Konzeptdiagramm
Raumaufteilung
Grundriss Erdgeschoss

Öffentlich, halböffentlich, privat.

Der Grundriss zeigt die klare Zonierung: Das Erdgeschoss öffnet sich zur Stadt hin mit Empfang, Kunstcafé und gemeinschaftlichen Räumen. Die Pflegezimmer der Palliativstation orientieren sich zum ruhigen Innenhof und zum Park. Kurze Wege, klare Orientierung und natürliches Licht bestimmen die Raumfolge.

Grundriss Erdgeschoss
Schnitt & Fassade

Holz, Licht und der Kreislauf des Lebens.

Die Konstruktion aus Brettsperrholz mit Roteiche-Verkleidung erzeugt eine warme, organische Hülle. Große Öffnungen lassen Licht tief ins Innere, der Fassadenschnitt zeigt das Zusammenspiel von Gründach, Holzkonstruktion und den gestaffelten Raumhöhen. Das Material Holz wird hier nicht nur konstruktiv eingesetzt – es trägt zur Atmosphäre eines Ortes bei, der Würde im Abschied ermöglichen soll.

Schnitt A-A
Fassadenschnitt
Innenraum

Stille, die trägt.

Die Innenperspektive zeigt die Qualität der Raumfolge: diffuses Licht durch Holzlamellen, der Blick in den Innenhof, die ruhige Materialität von Holz und Putz. Die Räume sollen keine klinische Atmosphäre erzeugen, sondern einen Ort des Verweilens – für Bewohner, Angehörige und Besucher.

Innenperspektive
Typologie Hospiz · Palliativstation · Kunstcafé
Konstruktion Brettsperrholz · Roteiche · Gründach
Kontext Darmstadt · Stadt ↔ Park