Räume, Systeme und städtische Beziehungen entwerfen.
Ausgewählte architektonische und städtebauliche Arbeiten: zwei urbane Entwürfe und ein Hochbauprojekt. Im Mittelpunkt stehen Raumstruktur, Maßstab, öffentliche Räume, Atmosphäre und die Frage, wie Architektur Beziehungen zwischen Körper, Stadt und Landschaft ordnet.
Städtebau I
Kleinstadtperle Bad Soden-Salmünster: Schnittstelle, Kurleben, Toolbox und regionale Perlenkette.
02Städtebau II
Vier Phasen, ein grünes Geflecht: das Martinsviertel Darmstadts nach dem Vorbild der Superilla.
03Hochbau
Ein Hospiz an der Schnittlinie zwischen Stadt und Park – Raum, Atmosphäre und der Kreislauf des Lebens.
Kleinstadtperle — Kurleben Bad Soden.
Eine städtebauliche Masterarbeit für Bad Soden-Salmünster im Main-Kinzig-Kreis. Aus zwei getrennten Stadthälften wird eine regionale Perle — und aus einer Perle eine Kette von Perlen entlang des Kinzigtals. Drei Phasen, drei Maßstäbe, eine Toolbox aus übertragbaren Bausteinen.

Aus zwei Hälften wird eine Perle.
Bad Soden und Salmünster sind 1974 administrativ zu einer Kleinstadt fusioniert worden — räumlich aber bis heute getrennt geblieben. Die Kinzig, die Bahnlinie und unbebaute Auenflächen liegen wie eine Lücke zwischen den beiden Kernen. Genau diese Lücke wird im Entwurf zur tragenden Idee: Die Schnittstelle zwischen Bad Soden und Salmünster wird zur Perle — zum Ort, an dem aus zwei Hälften ein Ganzes entsteht. Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels (Demografietyp 3: kleine Gemeinden mit moderater Schrumpfung) wird Bad Soden-Salmünster nicht als schrumpfende Gemeinde gelesen, sondern als Potenzialraum mit historischer Kurtradition.


Drei Phasen, drei Maßstäbe.
Die Transformation läuft in drei Phasen ab — vom Allgemeinen ins Konkrete, vom Stadtteil bis ins Tal. Phase I baut die Grundinfrastruktur in allen Stadtteilen aus. Phase II verdichtet die Schnittstelle zwischen Bad Soden und Salmünster räumlich zur Perle. Phase III überträgt die Logik auf die Kleinstädte entlang des Kinzigtals — die Perle wird zur Perlenkette.

Grün-Blau, Mobilität, Soziales.
Die erste Phase setzt auf drei Ebenen an: Grün-Blau strukturiert Vegetation, Wasser und Freiraum; Mobilität verlagert Verkehr, stärkt Fuß- und Radwege und etabliert P+R sowie ÖPNV on demand; Soziales aktiviert Leerstände, schafft Dritte Orte und stärkt informelle Treffpunkte. Die Toolbox bündelt all diese Bausteine in einem Rad mit über dreißig Maßnahmen — flexibel kombinierbar, übertragbar auf jeden Stadtteil. Ziel: die Infrastruktur aller Stadtteile auf ein Mindestmaß ausbauen.



Fünf Cluster, ein Ort des Zusammentreffens.
Im Zentrum der Schnittstelle entsteht die Plattform: ein neuer öffentlicher Ort, der fünf thematische Cluster räumlich bündelt — Tourismus, Naherholung, Wirtschaft, Kultur & Bildung und Fortbewegung. Schlüsselbausteine sind das Agri-Kultur-Zentrum, das Landwirtschaft, Bildung und öffentliches Leben verknüpft, sowie der Kleinstadt-Campus als Ort der Wissensproduktion und Begegnung. Drumherum: Indoor-Activity-Block, Sportwiese, Schrebergärten, Camping, Outdoor-Gym, Retentionsteich. Die Plattform ist nicht die Mitte einer schrumpfenden Stadt, sondern das neue Entrée Bad Soden-Salmünsters.


Ein Ort zwischen Kurpark, Promenade und Alltag.
Die Plattform bildet die zentrale Schnittstelle zwischen Bad Soden und Salmünster. Sie liegt nicht nur räumlich zwischen den beiden Stadthälften, sondern funktioniert als Mittelpunkt der umliegenden Cluster: Wirtschaft, Tourismus, Naherholung, Kultur & Bildung und Fortbewegung werden hier miteinander verknüpft. Aus der bisherigen Lücke entsteht ein öffentlicher Übergangsraum, der Wege bündelt, Nutzungen überlagert und Begegnung ermöglicht. Das Agri-Kultur-Zentrum, mobile Angebote, Stadtmobiliar und die Promenade übersetzen diese Schnittstelle in konkrete Alltagssituationen.



Von der Perle zur Perlenkette.
Die letzte Phase verlässt den Maßstab der Kleinstadt und überträgt die Logik der Schnittstelle auf das Kinzigtal. Was in Bad Soden-Salmünster als Plattform zwischen zwei Stadthälften funktioniert, wird zur regionalen Strategie: Kleinstädte, Landschaftsräume, Bahnhöfe, Naherholungsorte und Versorgungsangebote werden als Perlen entlang des Tals miteinander verknüpft. Die Arbeit knüpft hier an das Projekt NaTourHuKi an — ein nachhaltiges Tourismus- und Naherholungskonzept für Hanau und den westlichen Main-Kinzig-Kreis. Aus der Pilotperle Bad Soden-Salmünster entsteht ein Modell für Zuzug, Synergien und eine Versorgung, die nicht mehr von einer einzelnen Kleinstadt allein getragen werden muss.

Nachverdichtung statt Flächenverbrauch.
Der erwartete Zuzug wird nicht als Ausdehnung an den Siedlungsrändern verstanden, sondern als Chance zur Aktivierung vorhandener Strukturen. In den dezentralen Stadtteilen können Bestandsgebäude umgenutzt, Erdgeschosse flexibilisiert und gemeinschaftliche Hofräume ergänzt werden. So entsteht neuer, bezahlbarer und demografiefester Wohnraum mitten in der Natur — ohne die landschaftliche Qualität der Kleinstadt aufzugeben.

Die Stadt atmet auf.
Ein städtebaulicher Entwurf für den Kant-Block in Darmstadt, inspiriert von Barcelonas Superilla. Asphalt wird zu Promenade, Innenhöfe öffnen sich als Wege, Mobilität bündelt sich an den Rändern. Über vier Phasen zwischen 2025 und 2040 entsteht ein grünes Geflecht, das das Quartier neu verknüpft – mit der Stadt, dem Park und der eigenen Geschichte.


Bestandsanalyse des Martinsviertels: Verkehrsströme, Grünflächen, Blockstruktur und Nutzungsmuster werden kartiert und bewertet. Die Superilla Barcelonas dient als städtebauliches Referenzmodell – ein System, das Straßenblöcke zu Superblöcken bündelt, den motorisierten Verkehr an die Ränder verlagert und den Innenraum dem Fußgänger und der Vegetation übergibt.


Drei Handlungsfelder, ein grünes Geflecht.
Der Green Link verbindet das Martinsviertel über drei Handlungsfelder neu: Mobilität verlagert den motorisierten Verkehr an die Blockränder und schafft Raum für Rad und Fuß. Sharing aktiviert das Quartier durch geteilte Infrastruktur – Bibliotheken, Werkstätten, Mobilstationen. Innenhof öffnet die geschlossenen Blockinnenflächen als gemeinschaftliche Grünräume. In Phase I wird der Kant-Block zum Pilotprojekt dieser Transformation.

Verkehr an die Ränder, Leben in die Mitte.
Motorisierter Individualverkehr wird schrittweise aus dem Blockinneren verdrängt und an den Rändern des Quartiers gebündelt. Neue, durchgängige Wege für Fahrrad und Fußgänger entstehen. Mobility Hubs bündeln Sharing-Angebote – E-Scooter, Lastenräder, Carsharing – an strategischen Punkten im Quartier und machen den Umstieg einfach. Der Kant-Block fügt sich als Teil eines stadtweiten, hierarchisch gegliederten Mobilitätsnetzes ein.


Über vier Phasen zwischen 2025 und 2040 wächst das grüne Geflecht schrittweise: Phase I transformiert den Kant-Block als Pilot. Phase II vernetzt den Block mit dem Botanischen Garten. Phase III schließt das Martinsviertel als Ganzes an. Phase IV integriert das System in das stadtweite Grün- und Mobilitätsnetz – von der Magdalenenstraße bis zur Universität.



Architektur am Übergang.
Ein Hospiz in Darmstadt, an der Schnittlinie zwischen Stadt und Park. Zwei ineinandergreifende Volumen legen sich um zwei Innenhöfe und vermitteln zwischen Bewegung und Ruhe, zwischen Leben und Abschied. Der Entwurf liest diese Schwelle als räumliche Übersetzung eines Kreislaufs – verankert in Holz, Licht und der Geste des Hauses zum Park.

Zwischen Stadt und Park.
Der Lageplan zeigt die präzise Einbettung des Hospizes in den Übergang zwischen dem gründerzeitlichen Stadtgefüge und dem Grünraum des Parks. Das Gebäude besetzt die Schnittstelle – mit dem Rücken zur Stadt, dem Gesicht zum Park.

Zwei Höfe, zwei Zustände.
Das Gebäude organisiert sich um zwei Innenhöfe, die zwei unterschiedliche Atmosphären erzeugen: Der stadtseitige Hof ist offen, öffentlich zugänglich und beherbergt das Kunstcafé als Schwelle zwischen Hospiz und Stadt. Der parkseitige Hof ist stiller, geschützter – er gehört den Bewohnern und dem Blick in die Natur. Die beiden Volumen greifen ineinander und erzeugen so einen Weg, der durch das Haus führt: vom Ankommen bis zum Abschied.


Öffentlich, halböffentlich, privat.
Der Grundriss zeigt die klare Zonierung: Das Erdgeschoss öffnet sich zur Stadt hin mit Empfang, Kunstcafé und gemeinschaftlichen Räumen. Die Pflegezimmer der Palliativstation orientieren sich zum ruhigen Innenhof und zum Park. Kurze Wege, klare Orientierung und natürliches Licht bestimmen die Raumfolge.

Holz, Licht und der Kreislauf des Lebens.
Die Konstruktion aus Brettsperrholz mit Roteiche-Verkleidung erzeugt eine warme, organische Hülle. Große Öffnungen lassen Licht tief ins Innere, der Fassadenschnitt zeigt das Zusammenspiel von Gründach, Holzkonstruktion und den gestaffelten Raumhöhen. Das Material Holz wird hier nicht nur konstruktiv eingesetzt – es trägt zur Atmosphäre eines Ortes bei, der Würde im Abschied ermöglichen soll.


Stille, die trägt.
Die Innenperspektive zeigt die Qualität der Raumfolge: diffuses Licht durch Holzlamellen, der Blick in den Innenhof, die ruhige Materialität von Holz und Putz. Die Räume sollen keine klinische Atmosphäre erzeugen, sondern einen Ort des Verweilens – für Bewohner, Angehörige und Besucher.
