Giuseppe A. Raffaele | Portfolio M.Sc. Architecture · Engineering · Design
Zeichnung · Analyse · Architektur

Zeichnung als Methode.

Zeichnung wird hier als analytisches Werkzeug verstanden: zur Untersuchung von Figur, Anatomie, Raum, Struktur und architektonischer Ordnung.

01 Studien & Serien
Beobachtung · Fragment · Prozess

Zeichnung als offenes Experiment.

Neben analytischen Studien entstehen freie Zeichnungen, serielle Beobachtungen und fragmentarische Untersuchungen. Mich interessiert dabei weniger das fertige Bild als der zeichnerische Prozess selbst: spontane Linien, Suchbewegungen, Verdichtungen und bewusste Unschärfen.

Kopf eines Kamels · Beobachtung, eigene Darstellung, 2024
Figur in Bewegung, eigene Darstellung, 2024
Torso di Belvedere, Zitat von Apollonios von Athen, Zeichnerisches Training, eigene Darstellung, Vatikanstadt, 2019
Kopfstück Rodin, eigene Darstellung, 2023
Kopfstück Kollektiv, eigene Darstellung, 2024
Eigene Hand, eigene Darstellung, 2019
Weiblicher Akt, 3 × 15 Minuten Skizzen, eigene Darstellung, 2024
Ziegenkopf, eigene Darstellung, 2023
Elefanten, eigene Darstellung, 2024
Kopfstück, eigene Darstellung, 2024
Linke Hand, eigene Darstellung, 2024
Torsierende Figur, eigene Darstellung, 2016
Skizzen von diversen Figuren, eigene Darstellung, 2024
Skelettschädel, eigene Darstellung, 2023
Figuren, eigene Darstellung, 2023
Figur in Bewegung, eigene Darstellung
Figürliche Porträtstudie, eigene Darstellung
Liegender Wolf, Tierstudie in pigmentierter Tusche, eigene Darstellung
Skizze Bestand
Bensheim Passage in der Altstadt, 2023
Pförtnerhäuschen in Oberursel, eigene Darstellung, 2023
Innenhof, Skizze, 2021
Landschaftspassage, eigene Darstellung, 2022
Bensheim Altstadt, eigene Darstellung, 2023
Burgturm, eigene Darstellung, 2023
Eingangsbereich Mehrfamilienhaus, architektonische Perspektivstudie, eigene Darstellung
Trassenstudie Darmstadt, architektonische Perspektivstudie, eigene Darstellung
Gebäudeansicht mit Turm, architektonische Fassadenstudie, eigene Darstellung
Zum Eiffelturm, eigene Darstellung, 2022
Research Facility, Oberursel, 2023
Licht und Schatten bei der Anlieferung
Architekturstudie · Linie und Struktur
Werkzeuge 1
Werkzeuge 2
Mathildenhöhe, eigene Darstellung, 2022
Geschichte des Krankenhauses, Ausschnitt, eigene Darstellung, 2019
Coronatestcenter, Ablauf, eigene Darstellung, 2021
Obstkorb, Stillleben, eigene Darstellung, 2022
Alltagsobjekte, Stillleben, eigene Darstellung, 2022
02 Figur & Anatomie
Aktfiguren Zeichnungen von Giuseppe Antonio Raffaele

Von der Figur zur räumlichen Regel.

Auf Grundlage meiner eigenen Aktzeichnungen habe ich ein experimentelles Analyse-Tool entwickelt, mit dem sich die menschliche Figur im räumlich-architektonischen Kontext untersuchen lässt. Ausgangspunkt ist Georg Schmidts Analyse der naturalistischen Darstellung mit den Begriffen Räumlichkeit, Körperlichkeit, Stofflichkeit und Richtigkeit. Diese kunsthistorischen Kriterien überführe ich in ein architektonisches Raster aus Raumlesbarkeit, Proportion, Materialität, Maßbindung und Traglogik. Ergänzt wird dieses Raster durch grafische Overlays aus Achsen, Kraftlinien, Schwerpunktlinien, Kontaktpunkten und Verhältnislinien. Ziel ist es sichtbar zu machen, wie Körper im Raum organisiert sind — und wie daraus räumliche Regeln für Architektur entstehen können.

Analysezeichnung von Giuseppe Antonio Raffaele
Analysebeispiel
Sitzende Figur Originalzeichnung
Overlay Analyse Sitzende Figur

01 Analyse einer sitzenden Figur.

Die Zeichnung wird nicht nur als Darstellung gelesen, sondern als räumliches Analysefeld. Proportion, Gewicht, Achsen, Kontaktpunkte und Kraftlinien werden sichtbar gemacht und in architektonische Prinzipien übersetzt.

KriteriumLesart
K1 · Materialität / LichtführungKantenlogik, Schraffur, Volumenbildung und Oberflächenwirkung.
K2 · Proportion / MaßbindungKörperachsen, Verhältnislinien und Stabilität der Figur im Raum.
K3 · Raumlesbarkeit / PlastizitätTiefenstaffelung, Überlagerung und räumliche Verankerung.
K4 · Kohärenz / TraglogikKontaktpunkte, Schwerpunkt, Gegenlasten und sichtbare Lastpfade.
K(all) · KompositionZusammenspiel der Kriterien als räumlich-strukturelle Ordnung.

Die Figur hält nicht nur über reine Anatomie, sondern über die lesbare Traglogik (O2) des Overlays: Der verlagerte Schwerpunkt (O3) wird durch zwei Kontaktpunkte (O6) stabilisiert und bildet das Stützpolygon (O3). Die Torsokurve (O4) führt den Kraftfluss (O2) als Dreh- und Biegelinie (O4,5) in die Stützsockel (O6), und der gestützte Arm funktioniert als schräge Strebe (O6). Die Maßbindung (O2) ist noch unsauber, die räumliche Stabilisierung aber schon klar ablesbar und wird insgesamt gut im Raum F1/F2 eingefasst (O1).

Liegende Figurenzeichnung
Overlay Analyse liegende Figur

02 Analyse einer liegenden Figur.

Die Zeichnung wird nicht nur als Darstellung gelesen, sondern als räumliches Analysefeld. Proportion, Gewicht, Achsen, Kontaktpunkte und Kraftlinien werden sichtbar gemacht und in architektonische Prinzipien übersetzt.

KriteriumLesart
K1 · Materialität / Lichtführung Schraffur, Licht-Schatten-Zonen und Überlagerungen erzeugen Volumen, Ruhe und räumliche Gewichtung.
K2 · Proportion / Maßbindung Die diagonale Figur organisiert sich über Gelenkpunkte, Verhältnisachsen und eine langgezogene Schwerpunktlinie.
K3 · Raumlesbarkeit / Plastizität Die Figur verankert sich über Tiefenstaffelung und Auflagerpunkte klar im Raum.
K4 · Kohärenz / Traglogik Arme, Beine und Kopf wirken wie gekoppelte Lastpunkte entlang einer stabilen Hauptachse.
K(all) · Komposition Die liegende Figur erzeugt trotz starker Diagonale ein ruhiges, zusammenhängendes Kräftegefüge.

Die Figur ist statisch plausibel, weil sie durch das Overlay wie ein Tragwerk (O2) lesbar wird: Der Körper (O6) spannt sich räumlich (O1) als Feld zwischen zwei Auflagern – Becken / Schulter (O6) – vor F1 auf. Die Hüfte beziehungsweise der untere Bauchteil wirkt als Gelenkknoten und trennt Tragteil – Oberkörper (O2) – und freies Volumen – Beine. Parallele Auflagerlinien – Arme, Beine (O2) – rahmen die Schräglage und stabilisieren die Figur. Der untere Beinbereich fehlt und ist traglogisch nicht zu Ende definiert (O2).

Stehende Figurenzeichnung
Overlay Analyse stehende Figur

03 Analyse einer stehenden Figur.

Die Zeichnung wird als statisches Analysefeld gelesen: Stand, Schwerpunkt, Schulterachse, Beckenachse, Kontaktpunkte und Gegenbewegungen werden sichtbar gemacht und in eine architektonische Traglogik übersetzt.

KriteriumLesart
K1 · Materialität / Lichtführung Schraffur und Lichtführung modellieren Rücken, Rumpf und Beine; Kontraste machen Volumen und Körpergewicht lesbar.
K2 · Proportion / Maßbindung Torso- und Beckenverhältnis sind stimmig; kleinere Toleranzen bleiben an Hand- und Fußpartien sichtbar.
K3 · Raumlesbarkeit / Plastizität Seitlicher Rumpf, rechter Oberarm und Wandbezug erzeugen eine klare räumliche Verankerung.
K4 · Kohärenz / Traglogik Schulterachse und Beckenachse bilden eine zweistufige S-Kurve; Kontaktpunkte übertragen die Last in den Stand.
K(all) · Komposition Die Figur hält sich durch Lot, Gegenbewegung und Auflager stabil im Raum.

Die Figur wirkt konstruktiv glaubwürdig, weil sie nicht nur anatomisch steht, sondern durch das Overlay statisch lesbar gemacht ist (O2,4): Ein klares Hauptauflager (O3,6) mit einer sekundären Abstützung (O6) stabilisiert den Stand, der seitlich abgestützte Arm steift die Schräglage (O4) gegen Kippen aus, und die Gegendrehung von Schulterachse (O5), Wirbelsäule (O5) und Becken (O5) hält den Schwerpunkt über der Lotlinie (O3). Die Maßbindung und Traglogik (O2) ist weitgehend sauber, und kleine Toleranzen an den Kontaktflächen (O6) von Hand und Fuß schwächen die Figur nur gering. Da die Tiefenstaffelung zwischen Vorder- und Hintergrund gering ist, verlaufen die Fluchtlinien Richtung F1 nahezu parallel (O1).

03 Raum & Architektur
Architekturzeichnung von Giuseppe Antonio Raffaele
Raum · Konstruktion · Ordnung

Raum entsteht aus Beziehung.

Architekturzeichnungen verstehe ich nicht als reine Darstellung von Gebäuden, sondern als Untersuchung von Raumbeziehungen, Konstruktion, Richtung und Maßordnung. Linien definieren nicht nur Konturen, sondern organisieren Bewegungen, Spannungen und räumliche Hierarchien. Zwischen Figur und Architektur entsteht dabei eine gemeinsame Logik von Gewicht, Stabilität und Komposition.

04 Struktur & Kraftlinien
Achse · Last · Richtung

Kraftlinien machen Ordnung sichtbar.

Struktur entsteht für mich dort, wo Richtung, Gewicht, Spannung und Gegenbewegung lesbar werden. In Zeichnungen suche ich nach Achsen, Schwerpunktlinien, Torsionsbewegungen, Kontaktpunkten und Auflagerlogiken. Diese grafischen Spuren zeigen, wie eine Figur, ein Raum oder ein Baukörper innerlich organisiert ist.