Zeichnung wird hier als analytisches Werkzeug verstanden: zur Untersuchung von Figur, Anatomie, Raum, Struktur und architektonischer Ordnung.
Freie Arbeiten, schnelle Beobachtungen und experimentelle Zeichnungen.
02Studien zu Haltung, Proportion, Bewegung und körperlicher Spannung.
03Skizzen, Entwurfszeichnungen und räumliche Untersuchungen.
04Analyse von Richtung, Gewicht, Rhythmus und kompositorischer Ordnung.
Neben analytischen Studien entstehen freie Zeichnungen, serielle Beobachtungen und fragmentarische Untersuchungen. Mich interessiert dabei weniger das fertige Bild als der zeichnerische Prozess selbst: spontane Linien, Suchbewegungen, Verdichtungen und bewusste Unschärfen.

Auf Grundlage meiner eigenen Aktzeichnungen habe ich ein experimentelles Analyse-Tool entwickelt, mit dem sich die menschliche Figur im räumlich-architektonischen Kontext untersuchen lässt. Ausgangspunkt ist Georg Schmidts Analyse der naturalistischen Darstellung mit den Begriffen Räumlichkeit, Körperlichkeit, Stofflichkeit und Richtigkeit. Diese kunsthistorischen Kriterien überführe ich in ein architektonisches Raster aus Raumlesbarkeit, Proportion, Materialität, Maßbindung und Traglogik. Ergänzt wird dieses Raster durch grafische Overlays aus Achsen, Kraftlinien, Schwerpunktlinien, Kontaktpunkten und Verhältnislinien. Ziel ist es sichtbar zu machen, wie Körper im Raum organisiert sind — und wie daraus räumliche Regeln für Architektur entstehen können.



Die Zeichnung wird nicht nur als Darstellung gelesen, sondern als räumliches Analysefeld. Proportion, Gewicht, Achsen, Kontaktpunkte und Kraftlinien werden sichtbar gemacht und in architektonische Prinzipien übersetzt.
| Kriterium | Lesart |
|---|---|
| K1 · Materialität / Lichtführung | Kantenlogik, Schraffur, Volumenbildung und Oberflächenwirkung. |
| K2 · Proportion / Maßbindung | Körperachsen, Verhältnislinien und Stabilität der Figur im Raum. |
| K3 · Raumlesbarkeit / Plastizität | Tiefenstaffelung, Überlagerung und räumliche Verankerung. |
| K4 · Kohärenz / Traglogik | Kontaktpunkte, Schwerpunkt, Gegenlasten und sichtbare Lastpfade. |
| K(all) · Komposition | Zusammenspiel der Kriterien als räumlich-strukturelle Ordnung. |
Die Figur hält nicht nur über reine Anatomie, sondern über die lesbare Traglogik (O2) des Overlays: Der verlagerte Schwerpunkt (O3) wird durch zwei Kontaktpunkte (O6) stabilisiert und bildet das Stützpolygon (O3). Die Torsokurve (O4) führt den Kraftfluss (O2) als Dreh- und Biegelinie (O4,5) in die Stützsockel (O6), und der gestützte Arm funktioniert als schräge Strebe (O6). Die Maßbindung (O2) ist noch unsauber, die räumliche Stabilisierung aber schon klar ablesbar und wird insgesamt gut im Raum F1/F2 eingefasst (O1).


Die Zeichnung wird nicht nur als Darstellung gelesen, sondern als räumliches Analysefeld. Proportion, Gewicht, Achsen, Kontaktpunkte und Kraftlinien werden sichtbar gemacht und in architektonische Prinzipien übersetzt.
| Kriterium | Lesart |
|---|---|
| K1 · Materialität / Lichtführung | Schraffur, Licht-Schatten-Zonen und Überlagerungen erzeugen Volumen, Ruhe und räumliche Gewichtung. |
| K2 · Proportion / Maßbindung | Die diagonale Figur organisiert sich über Gelenkpunkte, Verhältnisachsen und eine langgezogene Schwerpunktlinie. |
| K3 · Raumlesbarkeit / Plastizität | Die Figur verankert sich über Tiefenstaffelung und Auflagerpunkte klar im Raum. |
| K4 · Kohärenz / Traglogik | Arme, Beine und Kopf wirken wie gekoppelte Lastpunkte entlang einer stabilen Hauptachse. |
| K(all) · Komposition | Die liegende Figur erzeugt trotz starker Diagonale ein ruhiges, zusammenhängendes Kräftegefüge. |
Die Figur ist statisch plausibel, weil sie durch das Overlay wie ein Tragwerk (O2) lesbar wird: Der Körper (O6) spannt sich räumlich (O1) als Feld zwischen zwei Auflagern – Becken / Schulter (O6) – vor F1 auf. Die Hüfte beziehungsweise der untere Bauchteil wirkt als Gelenkknoten und trennt Tragteil – Oberkörper (O2) – und freies Volumen – Beine. Parallele Auflagerlinien – Arme, Beine (O2) – rahmen die Schräglage und stabilisieren die Figur. Der untere Beinbereich fehlt und ist traglogisch nicht zu Ende definiert (O2).


Die Zeichnung wird als statisches Analysefeld gelesen: Stand, Schwerpunkt, Schulterachse, Beckenachse, Kontaktpunkte und Gegenbewegungen werden sichtbar gemacht und in eine architektonische Traglogik übersetzt.
| Kriterium | Lesart |
|---|---|
| K1 · Materialität / Lichtführung | Schraffur und Lichtführung modellieren Rücken, Rumpf und Beine; Kontraste machen Volumen und Körpergewicht lesbar. |
| K2 · Proportion / Maßbindung | Torso- und Beckenverhältnis sind stimmig; kleinere Toleranzen bleiben an Hand- und Fußpartien sichtbar. |
| K3 · Raumlesbarkeit / Plastizität | Seitlicher Rumpf, rechter Oberarm und Wandbezug erzeugen eine klare räumliche Verankerung. |
| K4 · Kohärenz / Traglogik | Schulterachse und Beckenachse bilden eine zweistufige S-Kurve; Kontaktpunkte übertragen die Last in den Stand. |
| K(all) · Komposition | Die Figur hält sich durch Lot, Gegenbewegung und Auflager stabil im Raum. |
Die Figur wirkt konstruktiv glaubwürdig, weil sie nicht nur anatomisch steht, sondern durch das Overlay statisch lesbar gemacht ist (O2,4): Ein klares Hauptauflager (O3,6) mit einer sekundären Abstützung (O6) stabilisiert den Stand, der seitlich abgestützte Arm steift die Schräglage (O4) gegen Kippen aus, und die Gegendrehung von Schulterachse (O5), Wirbelsäule (O5) und Becken (O5) hält den Schwerpunkt über der Lotlinie (O3). Die Maßbindung und Traglogik (O2) ist weitgehend sauber, und kleine Toleranzen an den Kontaktflächen (O6) von Hand und Fuß schwächen die Figur nur gering. Da die Tiefenstaffelung zwischen Vorder- und Hintergrund gering ist, verlaufen die Fluchtlinien Richtung F1 nahezu parallel (O1).

Architekturzeichnungen verstehe ich nicht als reine Darstellung von Gebäuden, sondern als Untersuchung von Raumbeziehungen, Konstruktion, Richtung und Maßordnung. Linien definieren nicht nur Konturen, sondern organisieren Bewegungen, Spannungen und räumliche Hierarchien. Zwischen Figur und Architektur entsteht dabei eine gemeinsame Logik von Gewicht, Stabilität und Komposition.
Struktur entsteht für mich dort, wo Richtung, Gewicht, Spannung und Gegenbewegung lesbar werden. In Zeichnungen suche ich nach Achsen, Schwerpunktlinien, Torsionsbewegungen, Kontaktpunkten und Auflagerlogiken. Diese grafischen Spuren zeigen, wie eine Figur, ein Raum oder ein Baukörper innerlich organisiert ist.
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